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Mut zur Unordnung!

15.01.2020

Mut zur Unordnung!

Beitrag von Andreas Mohr
Mohr+Partner, Büro für Umweltschutz und Kommunikation

Es ist Winter und um uns herum wurde die Landschaft winterfest gemacht. Die Flächen sind geputzt, das Wintergetreide gesät. Aufgeräumt schaut’s aus. Wie auf einer ordentlichen Werkbank eines guten Handwerkers. Was unserem Auge gefällt, führt zur Sorge bei so manchem Tier, denn es fehlt etwas:
Ein bisschen „Unordnung“, ein wenig Altgras. Gerade für unsere heimischen Feldvögel und Tiere ist es ungemein wichtig im Winter ein paar Stellen zu finden, auf denen die Reste des Sommers noch stehen bleiben. Der ungemulchte Feldrain, die ungemähte Ecke an der Feldhecke. Das, was unser Auge als „unordentlich“ sieht, erfreut unsere Feldtiere. Dort finden sie etwas zu fressen. Die meisten von ihnen wie der Feldsperling, die Goldammer oder das Rebhuhn leben von Körnern und Sämereien. Genau dort, im Altgras finden sie diese. Doch gerade mit Körnern und Sämereien wird es in unseren Gemarkungen häufig eng, denn die Ecken fehlen, in denen sie von den Tieren gefunden werden können. Manchmal ist’s einfach zu sauber, bei uns. „Mut zum Stehen lassen“, so könnte man es nennen, denn ein bisschen Altgras, Kälberkopf, Melde oder Schafsgarbe, die über Winter stehen bleibt, kann von den Tieren gefressen werden und täte ihnen wirklich gut.
Aber noch ein zweiter Gedanke spricht für die „ungepflegten Ecken“. Das Insektensterben, wie es heute oft beweint wird, ist auch hier bei uns real. Und auch dort kann ein bisschen Altgras helfen. Coleoptera, Lepidoptera, Hymenoptera, Arthropoden. So nennt sie der Fachmann. Wir kennen sie als Tausendfüßler, Asseln, Spinnen und Falter. Viele von ihnen überwintern wieder genau dort, im Altgras. Genauer: in den hohlen Stängeln von Melde, Kälberkopf oder Schafsgarbe, um nur ein paar wenige Pflanzen zu nennen. Und nur wer sicher überwintert, kann im nächsten Frühjahr ausfliegen und eine bunte Wiese zum Brummen bringen. Genau darum sollten wir ein bisschen „Unordnung“ in unserem Feld dulden. Den Tieren zu liebe.

 

 
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